Unser Awareness-Konzept

Awareness
Glossar
Konzept
Prävention
Intervention
Beratungsstellen

Das folgende Konzept versucht unser Selbstverständnis in Handlung zu überführen:

1 Verzeichnis wichtiger Wörter/Glossar:

Was verstehen wir unter…

Ableismus

Ableismus beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Menschen werden nach den Fähigkeiten bewertet, die ihnen von anderen zugeschrieben werden. Das bedeutet, dass Menschen mit körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen benachteiligt und ausgeschlossen werden.

Awareness

Awareness bedeutet übersetzt Bewusstsein und Achtsamkeit. Das bedeutet, einen wertschätzenden, respektvollen und solidarischen Umgang miteinander zu haben. Mit Awareness Arbeit wollen wir dazu beitragen, dass diskriminierende und gewaltvolle Verhältnisse immer weniger werden.

Diskriminierung

Diskriminierung ist ein soziales Phänomen der Benachteiligung, Ausgrenzung und Abwertung. Gruppen oder einzelne Personen werden wegen (vermeintlichen) Merkmalen benachteiligt, abgewertet und unterdrückt.

Grenzüberschreitung – Gewalt

Gewalt (auch sexualisierte Gewalt) ist eine Form von Machtausübung. Sie beschreibt Handlungen, die gegen den Willen einer Person ausgeführt werden. Gewalt kann in unterschiedlichen Formen auftreten: Psychisch und/oder körperlich, in Form von Grenzverletzungen, Belästigungen, Übergriffen und Diskriminierung. Auch Sprache ist ein Machtmittel und kann Gewalt beinhalten.

Handlungsmacht

Handlungsmacht bedeutet, dass Menschen durch absichtliches eigenes Handeln Ergebnisse/Ziele erreichen können. Auf diese Weise können Menschen sich die Kontrolle über das eigene Handeln (wieder) aneignen. Ich kann andere Menschen stärken, indem ich sie dabei unterstütze, Handlungsmacht zu erlangen.

Intervention – Verantwortung übernehmen für einander – Eingreifen

Damit sind die verschiedenen Möglichkeiten gemeint, mit denen ich aktiv auf beobachtete Grenzüberschreitungen reagieren kann. [vgl. unter 2.2.3 So kannst du handeln.]

Konsens

Konsens bedeutet auf Deutsch Einvernehmlichkeit oder auch Zustimmung.
Mit dem Konsensprinzip versuchen wir, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen und die Grenzen aller zu respektieren. Konsens ist ein Weg, um persönliche (und sexuelle) Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche zu klären. Der Grundsatz von Konsens heißt: „Nur Ja heißt Ja! Alles andere ist ein Nein“

LGBTQIA+

Das ist eine Abkürzung für “Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual”. Es stellt einen Sammelbegriff für Beschreibungen sexueller und geschlechtlicher Identitäten dar. Das Pluszeichen steht für weitere Ausrichtungen und/oder Orientierungen, die nicht extra genannt werden, aber auch nicht der Mehrheitsgesellschaft (cis, hetero) entsprechen.

Macht

Macht beschreibt ein System von Kontrolle, Herrschaft oder Unterdrückung. Macht wird von einer ganzen Gruppe oder einzelnen Personen über andere ausgeübt. Dies kann im ganz persönlichen Umfeld ebenso stattfinden wie in einem größeren Zusammenhang. Machtstrukturen sind gesellschaftlich und sozial gewachsen. Jede Form der Diskriminierung ist eine Form der Machtausübung.

Pronomen

Pronomen sind Wörter, die verwendet werden, wenn man über eine Person spricht (z.B. „Sie holt ein Getränk“). Sie beziehen sich üblicherweise auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht. Neben den Pronomen sie/she und er/he gibt es weitere Pronomen, z.B. they, mensch oder auch gar keines. Man weiß nicht immer, mit welchem Pronomen eine Person angesprochen werden möchte. Es ist also gut nachzufragen.

Solidarische Parteilichkeit

Solidarische Parteilichkeit bezeichnet die Unterstützung und den Zusammenhalt mit Menschen oder Gruppen, die unterdrückt, diskriminiert oder benachteiligt werden. Sie ist ein Ausdruck des Respekts und der Verantwortung für einander.

1.2 KONZEPT

Das Straßenfest gibt sich ein Awarenesskonzept. Dieses Konzept ist nichts Feststehendes. Es ist ein Prozess, während dem die Beteiligten sich ihr Verhalten und ihre Einschätzungen immer wieder bewusst machen und überdenken. Sie passen das Konzept fortlaufend an und verbessern es. Awareness bedeutet, dass alle Mitwirkenden des Straßenfestes sich den Grundsätzen dieses Konzepts verpflichten und versuchen nach diesem zu handeln.

  • Mitwirkende sind die Beteiligten im Vorbereitungsplenum, Standbetreiber*innen, die Schichtbesetzungen an den Ständen sowie die Musiker*innen / Acts

Das ganze Straßenfest tritt diskriminierendem und grenzüberschreitendem Verhalten entgegen. Diskriminierung und Gewalt verursachen ein Ungleichgewicht: Die ausübende Person hat sich über die andere Person und/oder ihren Willen hinweg gesetzt. Ziel dieses Konzepts ist es, dem etwas entgegenzusetzen.

Das Awarenesskonzept ist eine Arbeitsgrundlage für alle Mitwirkenden des Straßenfestes. Wir wollen, dass alle Menschen sich auf dem Straßenfest wohler und sicherer fühlen können. Wir möchten besonders, dass das für benachteiligte Personen der Fall ist. Deshalb gibt es ein Awarenesskonzept. Dafür ist es nötig, dass alle Mitwirkenden des Straßenfestes diese Grundsätze teilen. Alle sollten sich deshalb folgende Fragen stellen:

  • Was hat Diskriminierung mit meinem eigenen Leben zu tun?
  • Welche Rolle nehme ich bei der Veranstaltung ein?
  • An welchen Stellen bin ich in einer machtvollen Position?
  • Inwieweit befördere ich in diesem Zusammenhang Diskriminierung?
  • Was könnte ich tun, um Diskriminierung entgegenzuwirken?

Awareness bedeutet, eine klare Haltung gegen Diskriminierung und Gewalt einzunehmen. Diese Haltung ist handlungsleitend für einen respektvollen Umgang miteinander auf dem Straßenfest. Solidarische Parteilichkeit ist das Grundprinzip im Umgang mit Betroffenen von Gewalt und Diskriminierung.

Für Awarenessarbeit auf dem Straßenfest ist jede Art von Diskriminierung oder Gewalt von Bedeutung. Dabei ist es egal, ob sie absichtlich oder aus Versehen, direkt oder indirekt erfolgt. In seinem Selbstverständnis stellt sich das Straßenfest klar gegen jede Form der Diskriminierung: Egal ob rassistische, sexistische, homo-/inter-/trans- und queerfeindliche, antisemitische, klassenbezogene und ableistische Diskriminierung. Wir sind mit den verschiedenen Formen von Diskriminierung aufgewachsen und haben sie verinnerlicht. Deswegen müssen wir einen einfühlsamen Umgang damit lernen und einüben. Das braucht Zeit. Dabei müssen sich alle Personen des Straßenfestes fragen, ob und wie sie in ihrem Bereich Diskriminierung ermöglichen oder dazu beitragen. Dazu gehören beispielsweise auch Auswahlprozesse beim Booking.

Auch von Personen, die beim Straßenfest mitwirken, kann diskriminierendes oder gewaltvolles Handeln ausgehen. Diese Personen haben sich bereits mit Awareness und dem Awarenesskonzept auseinandergesetzt. (Sie können auch dem Awareness-Team angehören.) Deshalb ist es wichtig, dass die Mitwirkenden (und das Awarenessteam) sich ihre eigene Rolle und ihre Machtposition immer wieder bewusst machen. Sie müssen sich damit auseinandersetzen und aus Fehlern lernen.

Awarenessarbeit steht auf zwei zusammen gehördenden Säulen. Der Prävention (Vorsorge) und der Intervention (Eingreifen).

1.2.1 Prävention

Zur Prävention oder auch Vorsorge gehören:

Die eigene Haltung wird klar und öffentlich einsehbar kommuniziert. Informationen über die eigene Haltung und zu Diskriminierung sind auf dem Straßenfest sichtbar. Es gibt zum Beispiel Aushänge an gut sichtbaren Stellen. Die eigene Haltung wird auf der Website ausführlich dargestellt.

Die Informationen sollen so mitgeteilt werden, dass alle Menschen sie gut verstehen und annehmen können. Das heißt, die Sprache soll möglichst einfach und gut verständlich sein. Es ist gut, wenn es die Informationen in verschiedenen Sprachen gibt. Es wird darauf geachtet, dass unsere Sprache nicht dazu dient, andere zu diskriminieren.

Wir arbeiten möglichst transparent und offen. Wenn es Vorfälle bei der Veranstaltung oder ihrer Vorbereitung gibt, dann werden sie nicht versteckt oder verschwiegen. Die Straßenfest-Orga wird sich offen damit auseinandersetzen und versuchen, daraus zu lernen.

In den Aufgabenbereich von Awareness gehören auch die Gegebenheiten vor Ort. Diese Gegebenheiten müssen veröffentlicht werden, damit Personen sich bewusst für oder gegen das Straßenfest entscheiden können. Dazu gehören unter anderen folgende Informationen:

  • Wie ist das Fest erreichbar? Lage des Veranstaltungsortes, Anzahl der Treppenstufen / Zugang über Bürgersteige.
  • Die Lautstärke und die eingesetzte Lichttechnik.
  • Gibt es für alle Menschen geeignetet Toiletten?
  • Außerdem sollte die Veranstaltung im Bereich der Toiletten auf versteckte Kameras kontrolliert und regelmäßig untersucht werden (z.B. Spy-Cam-Detektoren). Die Toilettenanlagen sollen so konstruiert werden, dass sie nicht einsehbar sind.

Die Veranstalter*innen tragen die Verantwortung dafür, dass aus Vorfällen und Beschwerden Konsequenzen gezogen werden. Vorfälle und Beschwerden müssen greifbare Auswirkungen haben. Das bedeutet auch: Es muss bekannt gemacht werden, an wen sich Betroffene oder Beobachter*innen mit Unterstützungsbedarf, einer Beschwerde oder Feedback wenden können.

Es wird eine E-Mail-Adresse geben, die für die Zeit auf dem Fest mindestens einmal täglich und nach dem Fest abgerufen wird. Nach dem Fest wird sie regelmäßig gecheckt. Für die Mailadresse ist eine eigene Arbeitsgruppe zuständig.

An die E-Mail Adresse können alle Straßenfest-Teilnehmenden vertraulich Anmerkungen und Feedback zum Straßenfest geben. Das können zum Beispiel Hinweise zum Awareness-Konzept oder zu den Gegebenheiten vor Ort sein.

1.2.2 Intervention

Die zweite Säule von Awarenessarbeit ist Intervention oder auch Eingreifen. Es gibt verschiedene Formen der Intervention. Eine mögliche Form sind Awareness-Teams. Das Straßenfest hat kein Awarenessteam.

In Fällen von Grenzüberschreitungen, wenn Personen des Festes verwiesen werden müssen oder in anderen Notfällen, sind die Mitwirkenden der Fest-Orga ansprechbar. Sie können vielleicht selber handeln oder sie wissen, wer verantwortliche Personen sind. Die Stände, an denen sich immer Mitwirkende aus der Fest-Orga befinden, sind mit einem Logo gekennzeichnet.

Möglicherweise beobachtest du selber eine Situation, die die grenzüberschreitend vorkommt. Oder du hast den Eindruck, dass es einer Person auf dem Straßenfest nicht gut geht (egal ob Besucher*in oder Person aus der Fest-Oga). Dann kannst du auch selber handeln.

Es ist dabei wichtig, dass du auf deine eigenen Grenzen achtest. Vielleicht bist du mit einer Situation selbst überfordert. Oder du bist dir unsicher, wie du unterstützen und handeln kannst. Dann kannst du dir Hilfe holen.

Wenn du dich entscheidest zu handeln, dann frag die betroffene Person, ob sie deine Unterstützung möchte. Wenn sie keine Unterstützung möchte, dann respektiere das. Wenn sie Unterstützung möchte, dann frag nach, was ihr helfen würde. Du kannst ihr gegebenenfalls auch Vorschläge machen. Wichtig ist: Die betroffene Person entscheidet, was sie möchte oder braucht.

Das Reeperbahnfestival hat fünf Unterstützungsmöglichkeiten benannt. Wir haben sie in ähnlicher Form für unser Straßenfest übernommen.

So kannst du handeln:

Ablenken

Verändere die Situation indem du ablenkst. Du kannst z. B. die betroffene Person unter einem Vorwand ansprechen. So kannst du ihr eine Möglichkeit geben, sich der Situation zu entziehen.

Konfrontieren

Wenn du dich damit sicher fühlst, dann konfrontiere die ausübende Person direkt. Fordere die ausübende Person auf, ihr übergriffiges Verhalten zu beenden. Falls notwendig erkläre, warum das Verhalten nicht erwünscht ist. Vielleicht gibt es andere Personen in der Nähe, die dich bzw. euch unterstützen könnten?

Delegieren

Suche Unterstützung, wenn du den Eindruck hast, es braucht verantwortliche Personen, die eingreifen können. z.B wenn die betroffene Person Schutz benötigt oder zu einem sicheren ruhigen Ort begleitet werden soll. Oder, wenn die ausübende Person zum Beenden ihres Verhaltens gebracht oder notfalls des Festes verwiesen werden soll. Hierzu kannst du Menschen von der Fest-Orga ansprechen. Sie wissen, wer zuständig ist.

Abwarten

Falls du dich nicht wohlfühlst selbst einzugreifen und du gerade keine Unterstützung suchen kannst, dann warte die Situation ab. Gehe später noch einmal auf die betroffene Person zu, frage nach und biete ggf. Unterstützung an. Du kannst auch auf Unterstützung durch die Fest-Orga verweisen.

Dokumentieren

In manchen Fällen kann es helfen, eine Situation zu dokumentieren – also z.B. wichtige Informationen auszuschreiben. Dann kannst du sie später an eine verantwortliche Person weitergeben. Was ist passiert? Wer war beteiligt?

2. BERATUNGSSTELLEN ERLANGEN UND UMGEBUNG

Übersicht der Beratungsstellen

Frauennotruf

Thema: sexuelle und sexualisierte Gewalt von Mädchen, Frauen und Personen, die sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen (ab 14 Jahren)

Website: frauennotruf-erlangen.de

Telefonnummer: 09131 – 20 97 20

Mail: info@frauennotruf-erlangen.de

Informations- und Beratungsstelle für Frauen (von Frauenhaus Erlangen)

Thema: Partnerschaftsgewalt, Trennung/Scheidung, Gewaltschutz/-prävention, Aufenthaltsgesetz

Website: frauenhaus-erlangen.de

Telefonnummer: 09131/25878

Mail: info@frauenhaus-erlangen.de

Wildwasser e.V.

Thema: sexuelle/sexualisierte Gewalt von Mädchen* und Frauen

Website: wildwasser-nuernberg.de

E-Mail: info@wildwasser-nuernberg.de

Telefon: 0911 331 330

Jungenbüro (Schlupfwinkel e.V.) Nürnberg

Thema: Beratung für Jungen und junge Männer, trans*, inter* und nicht-binäre Personen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben

Website: jungenbuero-nuernberg.de

Telefonnummer: 0911 / 528 147 51

E-Mail: info@jungenbuero-nuernberg.de

Queeres Zentrum Erlangen

Thema: Queerfeindlichkeit

Website: makeyourtownqueer.de

Telefonnummer: 09131/9232493 | 01575/6689626 (auch per WhatsApp erreichbar)

Fliederlich e.V. (Nürnberg)

Thema: Queerfeindlichkeit (auch Kinder-/Jugendberatung, queere Personen im Asylverfahren)

Website: fliederlich.de/index.php/beratung

Telefon: 0911-42 34 570

E-Mail: verein@fliederlich.de

ZSL (Zentrum für selbstbestimmtes Leben)

Thema: Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung

Website: zsl-erlangen.de

Telefonnummer: 09131/98783-0

Mail: beratung@zsl-erlangen.de

B.U.D

Thema: rechte, antisemitische und rassistische Gewalt

Website: bud-bayern.de Telefonnummer: 0151 21653187

E-Mail: info@bud-bayern.de

RIAS Bayern

Thema: Beratung bei Antisemitismus

E-Mail: info@rias-bayern.de

Telefon: 0162 2951 961

Büro: +49 89 122 234 060

OFEK (Berlin)

Thema: Antisemitismus

Website: ofek-beratung.de

Telefonnummer: +49 800 664 52 68 | +49 176 458 755 32

Mail: kontakt@ofek-beratung.de

Jugend- und Familienberatung Stadt Erlangen

Thema: Konflikte in Familien, Kindeswohlgefährdung

Für wen: Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern

Website: integrierte-beratungsstelle.de/jugend-und-familienberatung

Tel.: 09131 / 86–2295

E-Mail: familienberatung@stadt.erlangen.de

Krisendienst Mittelfranken

Thema: psychische Notlagen

Website: kdmfr.de/krisendienst-mittelfranken

Tel: 0800 / 655 3000 | 0911 / 42 48 55 – 0

Mail: info@krisendienst-mittelfranken.de

Lilith e.V. (Nürnberg)

Thema: Drogenhilfe (Frauen*, Mädchen* und Kinder)

Tel: 0911 / 47 22 18

E-Mail: info@lilith-ev.de

Website: lilith-ev.de

Mudra e.V. (Nürnberg)

Thema: Jugend- und Drogenhilfe

Tel: 0911 8150-100

Fax: 0911 8150-109

E-Mail: beratung@mudra-online.de

Website: mudra-online.de